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ZUR PERSON                              Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf

In seiner letzten Ansprache im Jahr 2010 betrachtete Pastor Stefan Löbermann die Person und das Werk Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. 

Die Herrnhuter Brüdergemeinde gedachte in diesem Jahr seines 250. Geburtstags. Auf seinem Grabstein auf dem Herrnhuter Gottesacker ist zu lesen: Er war gesetzt, Frucht zu bringen und eine Frucht, die da bleibet. Eine Frucht, die bis heute geblieben ist, sind die Herrnhuter Losungen.

Diese „Losungs–Tradition“ wurde nach einer Singstunde im Mai 1728 geboren. Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf gab seiner Gemeine eine „Losung“ für den folgenden Tag mit auf den Weg. Mit der Losung in der Hand besuchten dann die Geschwister am nächsten Tag alle Häuser in Herrnhut. Sie überbrachten sozusagen Gottes Wort für den Tag. Bei diesem Besuchsdienst erfuhren sie natürlich auch etwas über die Nöte und Sorgen in der Nachbarschaft. Diese wurden dann nach der abendlichen Singstunde im Fürbittegebet zu Gott gebracht. Die Evangelische Brüder-Unität, Herrnhuter Brüdergemeinde, bringt bis heute für jedes Jahr die Losungen heraus. Manche Adventisten lesen diese Losungen, andere den Kalenderzettel, der aber eine ganz ähnliche Funktion erfüllt.

Zinzendorf stammt aus adligem Haus. Seine Großmutter ist vertraut mit Oberhofprediger Philipp Jakob Spener, dem „Vater des Pietismus“. Der junge Nikolaus kommt deshalb in die Hallesche Anstalt. Dieses Internat wurde von August Hermann Franke gegründet – auch ein Großer des Pietismus. In diesem pietistischen Milieu wächst der junge Graf heran. Er wendet sich gegen die dogmatisch erstarrte und angepasste lutherische Kirche seiner Zeit. Der Heiland Jesus Christus steht in der Mitte seiner starken persönlichen Frömmigkeit, diese und intensives Bibelstudium prägen seinen Glauben.

Zum Bruch mit seinen adligen Kreisen kommt es, als Zinzendorf ab 1722 die Ansiedlung von verfolgten Mitgliedern der Mährischen Brüderkirche auf seinem Gut Berthelsdorf erlaubt. Daraus entsteht die Siedlung Herrnhut. Diese Mährischen Brüder bringen neues Gedankengut mit: Es gibt kein Oben und Unten mehr. Die „Laien“ haben die gleichen Rechte wie die Geistlichen. Einer ist des andern Bruder und Schwester. Die Liebe zum Mitmenschen ist oberstes Gebot. Auch beim Abendmahl wird das deutlich: einer reicht dem anderen Brot und Wein. Die Siedlung Herrnhut wird mit kritischen Augen beargwöhnt. Zinzendorf lässt sich nicht beirren. Er stellt mit den Verantwortlichen klare Regeln und Strukturen auf und befolgt einen Grundsatz: Jesus ist der Herr aller Menschen.

Zinsendorf spricht Klartext. Das ist vielen ein Dorn im Auge. So wird der Querdenker zehn Jahre lang aus Sachsen verbannt und darf sein Gut und damit Herrnhut nicht mehr betreten. Das wir ihm zum Zeichen seines Herrn: Er wird Pilger. Jahrelang ist Zinzendorf predigend, Kontakte suchend, Gemeinden aufbauend, missionierend in Europa unterwegs. Später führt ihn die Mission sogar nach Amerika bis zu den Indianern.

Das letzte Lebensjahrzehnt des Grafen ist von Todesfällen überschattet. Seine Frau, die 12 Kinder geboren hat, von denen nur drei Töchter die Mutter überleben, stirbt 56jährig. Der Tod seines Sohnes Christian Renatus im Alter von nur 25 Jahren geht ihm zu Herzen. Doch auch seine eigenen Kräfte sind verbraucht. Über den Arbeiten an der Losung zum Jahr 1761 stirbt Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf am 9. Mai 1760 - also vor 250 Jahren - in Herrnhut. In der Nacht vor seinem Tod soll er gesagt haben: „Ich bin fertig, ich bin in den Willen meines Herrn ganz ergeben, und er ist mit mir zufrieden“. Aus dieser Gewissheit heraus gilt in der Brüdergemeinde das Sterben nicht als etwas Schreckliches, sondern als Heimkehr, als ein Liebeskuss Jesu.

Zinzendorf hat in den 1730er Jahren ein Lied geschrieben, das nicht in unserem Gesangbuch steht. Es zeigt die Aufbruchstimmung, die Jesusliebe, dieses unverbrüchliche Vertrauen und die Seelenruhe bei aller Unstetigkeit. Er hat dieses Lied im Exil geschrieben, verbannt aus seiner Heimat:

Wir wolln uns gerne wagen, in unsern Tagen der Ruhe abzusagen.

Wir wolln nach Arbeit fragen, wo welche ist.

Nicht an dem Amt verzagen, uns fröhlich plagen.

Die Liebe wird uns leiten und den Weg bereiten…

 

Zinzendorf selbst hat sich gern als Kantor und Liturgus bezeichnet. Der Kantor ist „ein vom heiligen Geist inspirierter Psalmist. Seine Aufgabe ist es, das Singen in der Gemeinde verantwortlich zu leiten und die Gemeinde in Harmonie mit der oberen Gemeinde zu halten“. Dass sich einzelne Lieder in der Gemeinde durchsetzen und eine bleibende, inspirierende Kraft behalten, ist letztlich nicht Werk eines Menschen, sondern eine Wirkung des Heiligen Geistes.

Seine zahlreichen Liedtexte machen auch die ökumenische Ausrichtung Zinzendorfs deutlich. Was heute vielen pietistisch geprägten Christen so gar nicht gefällt, ist der fast unkomplizierte Umgang mit anderen Konfessionen, den Zinzendorf lebte. Ob jemand nun Katholik, Anglikaner, Reformierter oder Lutheraner war, das war ihm vollkommen gleichgültig, wenn er nur Jesus ins Herz geschlossen hatte!

 

 

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