UMBAU 3
„S“konsequent umgesetzt
Eine der wichtigen Visitenkarten
für Kirchen ist das Haus, in dem sich eine Ortsgemeinde versammelt. Architektur
ist „verräterisch“, sie offenbart Einstellung zur Kultur, Geisteshaltungen,
finanzielle Möglichkeiten und wie sich die Kirche sieht und ihren Auftrag
versteht. Die Bibel spricht an sehr vielen Stellen vom „oikos“, vom Haus. Diese vielen und unterschiedlichen
Bibelstellen stehen in besonderen Kontexten und haben in ihrer Aussage
verschiedene Absichten. Dies kann und soll in diesem Artikel nicht beleuchtet
werden. Das Konzept des biblischen „oikos“-Prinzips spielte aber beim Umbau der
Adventgemeinde Frankfurt eine wichtige Rolle.
Die Adventgemeinden in
Deutschland haben z.B. nicht die Vorstellung, dass „Kirche“ das Haus Gottes in
dem Sinne ist, dass die Gegenwart Gottes exklusiv nur hier zu erfahren ist –
ähnlich, wie im AT, wo die jüdische Gemeinde die Gegenwart JHWE im
Allerheiligsten vermutet und anbetend verehrt. Das Haus Gottes hat in unserem
Verständnis eher dienenden Charakter: Es dient der Gemeinschaft, es ist ein
Raum für die anbetende und lobende Gemeinde. Aus diesem Grund soll der
Anbetungsraum einige Kriterien erfüllen, die z.B. Licht und Schatten betreffen
(wir haben uns für Licht entschieden). Auch die Akustik ist wichtig, Musik und
Sprache müssen klingen. Das Raumklima (Kälte/Wärme) sollte angenehm und leicht
zu steuern sein. Eine sakrale Atmosphäre sollte der Raum ausstrahlen. Wir haben uns in Frankfurt für eine
reformatorische Gestaltung entschieden, weil das dem Selbstverständnis und dem
Leitbild der Ortsgemeinde entspricht. Über dem dreidimensionalen und
beleuchteten Kreuz steht das Motto der Gemeinde: Christus – Mitte unseres Lebens.
Unübersehbar spiegelt sich in der Raumgestaltung aber auch eine
pietistisch-calvinistischen Grundhaltung wieder: weniger ist mehr, also eher
zurückhaltend, dezent und doch hell, freundlich und einladend. Die Frankfurter
Adventgemeinde hat diese „geistigen Konzeptionen“ konsequent in ihrer
Innenarchitektur umgesetzt und auch dafür gesorgt, dass die Gemeinde bequem
sitzt: Wir haben sehr gute und bequeme Stühle gekauft, die es jedem
Gottesdienstbesucher erlauben, ohne Rückenschmerzen zweistündigen Gottesdiensten zu folgen. Der
Bauausschuss hat in insgesamt 12 Sitzungen das Projekt aktiv begleitet und alle
Beschlüsse dokumentiert. Die
abschließende Bauphase dauerte ca. acht Monate. Das Haus erhielt einen in
gebrochenem Weiß gehaltenen Putz, welcher eine freundliche Note ausstrahlt.
Alle schwierigen „Ecken“ wurden im Zuge dieser Renovierung konstruktiv und
vernünftig gelöst. Die meisten Überlegungen hat der Bauausschuss der Neugestaltung
der straßenseitigen Fassade und dem Eingangsbereich gewidmet. An dieser
exponierten Stelle im Frankfurter Stadtbild sollte ein Eindruck geschaffen
werden, der den freikirchlichen Charakter des Hauses ohne weiteres erkennen
lässt. Dazu mussten sowohl die Freitreppe und das Podest als auch die
Eingangsfront völlig umgestaltet werden. Der gesamte Eingangsbereich erhielt
eine elegante Verkleidung aus hellem Naturstein, flankiert von zwei vertikalen,
getönten Glasbändern. Neue Schaukästen und eine spezielle Pflasterung vor der
Treppe vervollständigen den besonderen Eindruck der Fassade, ohne dass
grundsätzlich am Umriss des Hauses Veränderungen nötig waren. Das Gemeindehaus
der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist jetzt für Besucher und Passanten
sowie für alle Gemeindeglieder zu einer einladenden Stätte geworden, die den
kirchlichen Charakter schon von außen erkennen lässt. Dies alles wurde nur
möglich, weil zu dem Budget, das der Bauverein für diese Baumaßnahme zur
Verfügung gestellt hatte, noch ein erheblicher Kostenanteil über Spenden aus
der Gemeinde finanziert werden konnte. Insbesondere die gute Qualität und die
Ausführung der Details am Fassaden- und Eingangsbereich wurden so ermöglicht.
Wir sind unserem Gott, aber auch allen beteiligten Personen und allen Spendern
sehr dankbar, dass wir diese letzte Phase unseres nun über zehn Jahre
verteilten Renovierungsprogramms erfolgreich zu Ende bringen konnten. Die drei
geplanten „S“ wurden erfolgreich umgesetzt: Das Haus in der Eschenheimer Anlage
hat Stil, es hat in jeder Hinsicht
an Substanz, an Qualität und damit
auch an Wert gewonnen und eine eindeutig sakrale
Ausrichtung erhalten. Gott sei Dank!