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Die Aufgabe der Systematischen Theologie
Die „geretteten Götter“ aus dem Palast von Tell Halaf sind die zusammengesetzten Götter (siehe Artikel zur Ausstellung) Im Christentum muss und darf Gott nicht gerettet werden. Es ist umgekehrt. Gott rettet und spendet Heil und Zuversicht. Damit sind die biblischen Heils-Koordinaten und die Beziehungswege festgelegt: Gott wirkt unbedingt und kommt auf den Menschen zu. Biblische Gotteserfahrungen und -vorstellungen und das Gottesbild im Christentum haben sich in diesem Beziehungsprozess entwickelt und verändert. Davon zeugen die vielen unterschiedlichen Geschichten, Aussagen, Texte, Bilder und Metaphern der Bibel, die die Systematische Theologie zu einem schlüssigen Gottesbild zusammenzusetzen versucht. In der modernen westlichen Gesellschaft ist Religiosität häufig patchworkartig zusammengesetzt, wie man z.B. an der Esoterik sehen kann. Verschiedene Kulte, religiöse Praktiken und Vorstellungen aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Orten werden mit Pseudowissenschaften, Fragmenten der Philosophie, Psychologie und des Christentums und mit der persönlichen Meinung vermischt. Diese Vermischung religiöser Ideen zu einem neuen System oder Weltbild bezeichnet man auch als Synkretismus. Etwas übertrieben könnte man sagen: der moderne Mensch bastelt sich seinen persönlichen Gott selbst zusammen. Er kreiert beliebig seine eigene Religion und wird nach seiner „Facon selig“. Genau darum geht es aber in der theologischen Forschung und Wissenschaft nicht! Sie versucht im Gegenteil dieses religiöse „Patchworken“ zu vereiteln. In den christlichen Kirchen wird versucht ein biblisches, klares und positives Bild von Gott zu verkündigen nach dem Motto: Wir kennen Gott und sein Wesen, denn ER hat sich ja offenbart. Hier kommt wieder die systematische Theologie ins Spiel. Ausgangpunkt ist die biblische Kernaussage: „Keiner hat Gott gesehen!“, was zur Bescheidenheit mahnt. Auch die biblische Theologie und christliche Kirche muss aus unterschiedlichen Gottesbildern aus verschiedenen Zeiten, Offenbarungen und Interpretationen von Gott letztlich rekonstruieren.
Die Ausstellung im Pergamon-Museum zeigt z.B., dass die antiken Menschen 1200 Jahre vor Christus Totenkulte pflegten. Selbst die Unterwelt war götterbeseelt und wollte „bedient“ werden! Die Götterwelt dieser Zeit war archaischer Natur: Die Götzenbilder und die Fruchtbarkeitskulte deuten auf die feudale Gesellschaft und Kultur hin. Viele Götter/Götzen beschäftigten die Menschen und beherrschten ihr Leben und ihren Alltag. Genau auf diese Situation nimmt die Bibel Bezug.
Das erste (alte) Testament tabuisiert diesen Götzenkult, der im Umfeld Israels und auch im Volk selbst gepflegt wurde. Jahwe-Gott ist der Eine. Monotheismus muss deshalb als Fortschritt begriffen werden. Die Bibel verweist schon im AT auf ein geistig, geistliches Wesen, das sich geschichtlich manifestiert. Dieser Gott ist und bleibt aber auch Mysterium. Er hat eine übergreifende und unerreichbare Dimension. Die bildhafte Verortung dieser göttlichen Instanz bleibt aber im AT oft die Monarchie. Das heißt: Gott ist hier (als) König (gedacht) und der Kult, der Glaube und die Verehrung wird deshalb im Hofstaatmilieu begriffen und beschrieben. Die Handlungen und Reaktionen Gottes sind deshalb manchmal beschrieben, wie die eines absoluten Monarchen, der Herrscher, Richter und Priester in einem ist und deshalb auch über das Leben seiner Untertanen radikal verfügt. Diese Vorstellung wird aber im Neuen Testament ergänzt. Johannes spricht von Gott als dem Logos (Wort), Jesus sagt: Abba, lieber Vater
Die systematische Theologie hat die Aufgabe, aus den unterschiedlichen biblischen Offenbarungsinhalten und den vielen verschiedenen Zeugnissen ein verständliches, nachvollziehbares Ganzes zu bilden. Dank dieser theologischen Arbeit haben wir im Christentum ein relativ klares Bekenntnis und ein schönes, umfassendes Gottesbild - wohl wissend, dass Gott größer und umfassender ist, als es mit menschlichen Worten je beschrieben werden kann.
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