Quo Vadis Adventgemeinde
Kleine Geschichte zu diesem Thesen und Diskussionspapier
Die Freikirche der S.T.A. in Deutschland - also die Vorstände der beiden deutschen Verbände mit den Vorstehern aller Vereinigungen, mit den Leiterinnen und Leitern der Institutionen und mit vielen Geschwistern aus den Verbands- und Vereinigungsausschüssen - hat sich sehr zügig und einmütig darauf geeinigt, eine Broschüre zu drucken, die sich mit der Zukunftsperspektive unserer Freikirche auseinandersetzt. Die Handreichung entwickelt Perspektiven, Wege und Ausblicke und macht auch konkrete Vorschläge zur Veränderung. Auch die Hindernisse, Störfelder, Ballast und Altlasten werden in der Broschüre offen benannt. Zu einem solchen Entwurf gehört Mut, Einsichtsfähigkeit und Urteilskraft. Wer noch keine Urlaubslektüre hat - diese Handreichung ist sehr zu empfehlen!
Die Freikirche in Deutschland hat eine unabhängige Kommission (Beirat „Zukunftsperspektiven“) unter Leitung von Bruder Lothar Träder damit beauftragt, Diskussionspapiere zu entwickeln, wichtige aktuelle Fragen und zukünftige Herausforderungen und Tendenzen zu analysieren und die Kirchengemeinde konzeptionell weiterzuentwickeln, Neues zu wagen und zu formulieren. Dass solche Anregungen und Entwürfe auch Ängste, Fragen und Irritationen auslösen können (wie im Vorfeld zu erleben war), ist verständlich und nicht nur in unserer Freikirche der Fall. Ich erinnere mich, dass z.B. der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung oft unbequeme politische Forderungen stellt und auch für seine Analysen und Vorschläge immer wieder stark kritisiert wird. Die besten Forscher ihrer Zunft lassen sich davon aber nicht beirren oder beeindrucken. Die „5 Weisen“ sind ausgewiesene Kenner ihres Faches und sollen mit ihren jährlichen Gutachten auch für anregende Diskussionen sorgen und die politische Klasse herausfordern. Der neue Chef dieses Gremiums ist der Arbeitsmarktexperte Wolfgang Franz, der bereits 1997 das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zu einer international geschätzten Denkfabrik ausgebaut hat.
Der adventistische Beirat "Zukunftsperspektiven" setzt sich aus einem pensionierten Mitarbeiter und einigen nicht angestellten engagierten Gemeindegliedern zusammen. Es ist ein unabhängiges Gremium. Seit seiner Einsetzung im Jahr 1999 hat der Beirat "Zukunftsperspektiven" vier Arbeitshilfen ("Handreichungen") verfasst, in denen aktuelle Fragen zum Gemeindeleben und zum Auftrag der Freikirche behandelt werden: Im Heft 1, "Der stille Exodus", ging es um den Umgang mit ehemaligen Adventisten; Heft 2, "Lebenswelten" (2004), befasste sich mit den Herausforderungen, vor denen Kinder und Jugendliche heute stehen; im 3. Heft, "... und ihr habt mich aufgenommen" (2005), ging es um den Umgang zwischen einheimischen und zugewanderten Adventisten, dargestellt am Schicksal der Russlanddeutschen; Heft 4, "Die Gemeinde und der gesellschaftliche Wandel" (2008) lieferte Denkanstöße zum Gespräch über Veränderungen in der Gesellschaft, deren Wirkung auf die Gemeinden und den Umgang mit Veränderungen im Gemeindeleben.
Es ist sehr ermutigend, innovativ und wegweisend, dass die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland mutig, einmütig und unbeirrt voran geht. Der Führung und dem Beirat unter Leitung von Bruder Lothar Träder sei Dank, dass Themenkreise, die uns weiterführen können, offen angesprochen und diskutiert werden: Welche geschichtlichen Entwicklungen hat unsere Freikirche genommen und was bedeuten sie? Worin besteht die adventistische Identität? Welche Rolle spielen Strukturen im Prozess zukünftiger Veränderungen?
Mit diesen Handreichungen bekommen alle Glaubensgeschwister die Möglichkeit zum Mitdenken und zur Aussprache. Das allgemeine Priestertum als protestantische Grundüberzeugung lebt, wenn substantielle Überlegungen zur Kirchenstruktur zur Diskussion gebracht werden und wenn die Gemeinden mit neuen theologischen Konzeptionen vertraut gemacht werden, die zu Neubewertungen führen und damit der adventistischen Frei-Kirche z.B. auch zu einem Glaubensbekenntnis verhelfen kann, das den Kern adventistischer Überzeugung fokussieren vermag und den interreligiösen Dialog zur Selbstverständlichkeit für Christenmenschen werden lässt.