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Profil zeigen - Sinn und Funktion eines Leitbildes für die Orts-Gemeinde

Immer mehr Gemeinden unserer Freikirche geben sich ein Leitbild. Manche interpretieren diese Tendenz unter dem Aspekt der Abspaltung. Dabei sind Leitbilder  ein Ausdruck eines generellen Vorgangs in unserer Gesellschaft: Differenzierung und Spezialisierung, auch im religiösen Bereich. Wir haben heute eine ungeheure Vielfalt von religiösen Gruppierungen und Bewegungen, das Angebot auf dem religiös-spirituellen Markt wird größer, es entstehen neue Kirchen. Umso bedeutsamer wird es angesichts dieser äußeren Realität, ein eigenes Profil zu entwickeln. Dem Gläubigen und dem Mitbürger bleibt die Aufgabe: Prüfet alles - das Gute behaltet!

Nicht alle Adventgemeinden in Deutschland - und schon gar nicht weltweit - haben das gleiche Profil. Die Unterschiede sind enorm. Verallgemeinernde Aussagen wie „Adventisten sind Vegetarier“ oder „Adventisten sind eine Sekte“ treffen nicht die Realität. Differenzierung ist nötig: Viele Adventisten (weltweit gesehen) sind Vegetarier. Es gibt Sektierer und Sektiererisches in unserer Kirche. Viele leiden darunter! Über das Proflil darf und muss sich aber jede Kirchengemeinde  (Prinzip des allgemeinden Priestertums) vor Ort selbst im Klaren werden, Flagge zeigen und ihren Gästen und ihrem weiteren Umfeld Auskunft über sich selbst geben.

Die Entwicklung eines Leitbildes führt Gemeinden in einen sehr kreativen Prozess wie z.B.: Identität will entwickelt werden und braucht Mut und Fähigkeit zur Kritik, Positionierung und Reflektion.

Die Wahrnehmung wendet sich nach außen: Wo sind wir?

In welchem gesellschaftlichen Umfeld befinden wir uns?

Und nach innen: Auf welchem Fundament stehen wir?

Welche Gaben, Fähigkeiten, Stärken und Potentiale sind in der Gemeinde vorhanden? Wie sieht die Altersstruktur aus?

Es kommt zu einer Reflektion der Relevanz: Welche Aufgabe und Bedeutung hat die Gemeinde für ihr Umfeld? Was für ein Angebot kann sie realistischerweise machen?

Die Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum hat sich  z.B. schon vor einiger Zeit die Frage gestellt, was für eine Kirchengemeinde wir sind und sein wollen. Aufgrund der Historie (freie Bürgerstadt Frankfurt am Main) und hinsichtlich der Gemeindeprägung wurde klar, dass die Frankfurter Adventisten-Gemeinde in vielerlei Hinsicht eine liberale (im Sinne von freie) Kirche ist, die sich ihrer protestantisch-lutherischen Wurzeln (vier soli) bewusst ist und diese bejaht. Die Rechtfertigungslehre, das unbedingte Schöpfungs- und Heilshandeln Gottes sind zentrale theologische Positionierungen. In unserem Gemeindeprofil heißt es:

Christus ist Mitte unseres Lebens. Die Adventgemeinde Frankfurt-Zentrum weiß sich einer bibelbezogenen, reformatorischen Tradition verpflichtet. Persönlicher Glaube, Gemeindeleben und Verkündigung in Wort und Tat fokussiert allein auf Gott, basiert allein auf Gottes Wort, lebt allein durch Gottes erlösende Gnade, verpflichtet sich allein dem Glauben und zentriert sich allein auf Jesus Christus.

Ein formuliertes Leitbild macht die eigene Position deutlich und grenzt sich damit auch von anderen Positionen ab. So gehören fundamentalistisch-exklusivistische Ansprüche, Verbalinspiration und Biblizismus nicht zu unserem Leitbild in der Adventgemeinde Frankfurt Zentrum. Die Gemeinde versteht sich auch nicht als Sichtungsgemeinde oder als die einzig letzte und wahre Kirche auf Erden. Sie ist nicht  "selig machend" und schon gar nicht allein selig machend. Gott macht selig! Wir verstehen uns eher in einem Chor singend. Unsere Stimme ist wichtig und soll nicht fehlen. Aber auch die vielen anderen Stimmen sind wichtig, haben gleichfalls Berechtigung. Die Geschichte anderer Konfessionen und Religionen hat Bedeutung und wird deshalb auch  gewürdigt. Toleranz wird in der Adventgemeinde Frankfurt Zentrum deshalb großgeschrieben und wir pflegen eine Kultur, die es uns nicht erlaubt, über andere Konfessionen oder Religionen abfällig oder unwürdig zu sprechen oder sie gar zu verurteilen. An diesem Beispiel wird deutlich, dass ein Leitbild immer auch ein Idealbild ist. Wir bleiben  leider immer wieder hinter dem Ideal zurück und werden schuldig. Wir bleiben leider konkret der Gesellschaft und unserem Auftrag immer etwas schuldig!

Dennoch bleibt für uns die paulinische Vision der Gemeinde als Leib Christi verbindlich. Unser Leitbild hat die Funktion, unserer Gemeinde heute und morgen theologische Orientierung zu geben, Richtung zu weisen auch für alle Handlungs- und Aufgabenfelder und sie im Geiste Jesu zu führen.

STA Adventgemeinde Frankfurt Zentrum Eschenheimer Anlage 32 Frankfurt/M  | stloeb@aol.com