BIBELGESPRÄCH Gefühle in Bibel und Glauben
Im neuen Jahr wird das Bibelgespräch in den Adventgemeinden von Gefühlen beherrscht werden, denn das Studienheft zur Bibel ist überschrieben „Die Macht der Gefühle. Die Inhaltsangabe verrät die entscheidenden Themen und Stichworte, um die es gehen wird: Angst, Stress, Beziehungen, Schuld, Trauer, Respekt, Neid, Autonomie, Wohlbefinden. Das letzte Thema heißt: „Jesus vor Augen“. Die internationale Ausgabe titelt: „Jesus weinte“ und stellt damit grundsätzlich einen eher christologischen Bezug her. So oder so schauen wir im nächsten Viertel auf uns Menschen, auf den Menschen-gewordenen und auf Personen der Bibel. Sehr zu empfehlen sind die Exkurse zu einigen Themen. Die Einführungsgedanken sprechen im letzten Abschnitt von …biblischen Prinzipien, die uns helfen können, unsere Empfindungen besser zu verstehen und mit ihnen im Sinne Gottes umzugehen. Einige Prinzipien, die uns im nächsten Viertel im Bibelgespräch leiten können, sollen hier kurz angesprochen werden:
1. Prinzip: Beobachten und spüren geht vor bewerten oder beurteilen.
Was wir in diesem Vierteljahr gemeinsam versuchen können ist, den biblischen Text nicht nur zu verstehen und thematisch, inhaltlich zu bearbeiten, sondern sich einem Textgeschehen, einer Geschichte und ihrer Personen von der Gefühlsseite her zu nähern. Das heißt zu spüren oder zu ahnen, welche Emotionen das Geschehen und die Menschen bewegen und welche Gefühle ein Text bei mir selbst als Leser auslöst. Das erfordert einen anderen Zugang zum Text und fordert, dass wir gut aufeinander hören und Verständnis füreinander aufbringen.
2. Prinzip: Die Bibel ist auch menschenzentriert und beschäftigt sich mit den Menschen und ihrer Befindlichkeit. Sie interessiert sich für die Lebensprinzipien, kritisiert Lebensverhältnisse und thematisiert auch die Gefühlswelt des Menschen. Sie ist also lebensbezogen. Biblische Geschichten und Zeugnisse wecken und fördern Selbstverständnis und Selbsterkenntnis. Eine Erkenntnis und These heißt: Unser Leben wird von Gefühlen beeinflusst. Emotionen sind an sich wertfrei und entziehen sich dem vorschnellen Urteil oder einer Kategorisierung in gut oder schlecht, hell oder dunkel. Gefühle sind da. Sie dürfen respektiert und geachtet werden. Sie haben einen Sinn und erfüllen eine Funktion. Erst in zweiter Linie stellt sich die Frage, wie Personen konstruktiv mit Gefühlen umgehen können, wie das Ich Gefühle integriert und steuert.
3. Prinzip: Über die Gefühle sind wir uns selbst, mit Gott, der Natur und dem Nächsten verbunden. Der Mensch ist ein ausgeprägtes Beziehungswesen und wird sich auch über die Gefühle mit den Dingen und Personen in Beziehungen setzen. Gefühle fallen nicht vom Himmel, sondern sie sind biochemische Prozesse im Gehirn, die durch äußere und innere Faktoren beeinflussbar sind. Die Themen in diesem Viertel Jahr sind interessant und spannend, denn sie gehen uns alle an. Sie bergen aber auch einige Gefahren wie z.B. Unsachlichkeit durch fehlende medizinische oder psychologische Kenntnisse und stattdessen aufgestellte Behauptungen, die nicht nachweisbar sind. Der Gesprächsleiter könnte verleitet werden, „Pseudopsychologie“ zu betreiben oder durch gehen zulassen. Das Bibelgespräch sollte nicht in eine „Ratgeberstunde“ umfunktioniert werden.
Grundsätzlich besteht bei diesen Konstruktionen die Gefahr, dass man in Bibeltexte etwas hineinliest und hineininterpretiert, was im Text möglicherweise gar nicht angelegt ist. Hilfreich ist es sicher, wenn sich die Gesprächsleitung auf wenige ausgewählte, klare Textstellen bezieht und diese im Gespräch beleuchtet. So werden wir im Gespräch miteinander dem biblischen Menschen, Gott in seinem Wirken und Wesen und uns selbst ein Stückchen näher kommen und auf die Gefühlswelten achten.