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Die Frage der Ordination von Frauen kommt nicht auf die Tagesordnung der 59. Vollversammlung der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Nur drei von 13 Divisionen stimmten dafür.

Aus Rücksicht zu den acht Divisionen, die eine "Untergrabung der Einheit der Kirche" in ihren Gebieten befürchten, werde das Thema nicht auf die Agenda genommen, obwohl viele darauf hinweisen, dass einiges sich innerhalb der letzten zehn Jahre verändert habe. Der scheidende Präsident der Kirche Jan Paulsen meint: "Es ist ein Erziehungs- und Wachstumsprozess im Gange",  aber es bedarf vielleicht noch eines Generationenwechsels. Im Vorfeld der Diskussion hielt ein bekannter Evangelist eine Predigt gegen die Ordination von Frauen.
Doug Batchelor, Hauptpastor der Sacramento Central Seventh-Day Adventist Church in Kalifornien und Präsident des Medienzentrums "Amazing Facts" sagte am 6. Februar 2010 in dieser Predigt mit dem Titel "Frauen als Pastoren - ein biblischer Überblick": „Nach dem Willen Gottes ist die Frau dem Mann untertan. Die Sünde kam in die Welt, weil der Mann seine Frau vernachlässigte und die Frau die Führungsrolle ihres Ehemannes missachtete", sagte Batchelor. Weiter wies er auf die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin, so habe der Mann beispielsweise mehr Nervenzellen im Gehirn als die Frau. Außerdem läge laut dem "British Journal of Psychology" der IQ bei Männern im Durchschnitt um fünf Punkte höher als bei Frauen. Auch wandte er sich gegen die Praxis der Kirche in Nordamerika, die Ordination von Frauen mit Begriffen wie "Beauftragung" zu umschreiben und zu praktizieren. Auf diesem Umweg würden Frauen alles tun, was die männlichen Pastoren auch tun: "Sie taufen, sie leiten das Abendmahl, sie führen die heiligen Handlungen durch, von denen Gott ursprünglich gesagt hat, sie seien dem Mann vorbehalten."

Jim Pedersen, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordkalifornien und somit Vorgesetzter von Batchelor wies darauf hin, dass die Nordkalifornische Vereinigung schon länger Frauen im Pastorenamt unterstütze. Außerdem habe die Vollversammlung der Nordkalifornischen Vereinigung im Jahr 2002 beschlossen, der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) die Ordination von Frauen zu empfehlen.

Auch der Exekutivausschuss der Siebenten-Tags-Adventisten im Südosten Kaliforniens, der 169 Adventgemeinden vertritt, nahm am 25. März Stellung und äußerte große Besorgnis über die Art und Weise, wie Doug Batchelor das Thema Ordination von Frauen zum Predigtamt behandelt hat. Folgende Punkte fassen das Wesentliche zusammen: Batchelors Darlegung stelle weder die Haltung noch die Praxis der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten dar; sie sollte nicht unbeantwortet bleiben, als würde sie die Auffassung der Kirche widerspiegeln; Batchelors Darlegung stimme nicht mit der Auffassung führender adventistischer Forscher überein; sie beleidige gottesfürchtige Frauen, die sich dem Pastorendienst gewidmet haben und durch die Gott am Wirken ist; sie missbrauche und verzerre die Heilige Schrift in vielfältiger Weise.
Auch der Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in Großbritannien, Don W. McFarlane, sah sich genötigt, im Zusammenhang mit der Predigt von Doug Batchelor einen offenen Brief an die Pastoren und Gemeindeleiter in der Gemeindezeitschrift "Messenger" vom 16. April zu veröffentlichen. Darin erinnert er an einen Beschluss der Generalkonferenz-Vollversammlung von 1881 (sic), der die Ordination von Frauen befürwortete, sofern sie die notwendigen Qualifikationen besitzen sollten. 1975 wurde während der Frühjahrssitzung der Generalkonferenz beschlossen, dass Frauen als Diakoninnen und Gemeindeälteste in den Divisionen ordiniert werden dürfen, in denen dies angebracht, möglich oder nutzbringend sei.

In seinem offenen Brief erinnert McFarlane daran, dass nach der Ablehnung einer Regelung für die Gesamtkirche 1995 in Utrecht, jeder Division die Möglichkeit eingeräumt wurde, Personen unabhängig von ihrem Geschlecht für bestimmte Aufgaben zu ordinieren, deren Einsatz auf die betreffende Divisionen beschränkt bliebe. Bei der letzten Herbstsitzung der Generalkonferenz (Oktober 2009) habe der Präsident der Nordasien-Pazifik-Division über das Wachstum der Siebenten-Tags-Adventisten in China berichtet, das nur dadurch zu bewältigen sei, dass Frauen sich führend als Pastorinnen und in der Evangelisation einbringen. Außerdem zitiert McFarlane mehrmals Ellen G. White, die sich für den Dienst von Frauen und die "Handauflegung" für ihren Dienst äußerte.

Die Kirche in Großbritannien (British Union) unterstütze die Position der Weltgemeinschaft und distanziere sich von der Predigt von D. Batchelor, denn "nach unserem biblischen Verständnis sind es die Gaben des Heiligen Geistes, die uns für Führungsaufgaben in der Gemeinde qualifizieren, und nicht das Geschlecht". Im Gegensatz zum römisch-katholischen Verständnis von Ordination, die an die apostolische Nachfolge (Sukzession) gekoppelt ist, "glauben wir als Siebenten-Tags-Adventisten, dass die Ordination keine zusätzlichen Begabungen oder ein größeres Maß an Gnade verleiht, und somit auch keine größere göttliche Autorität als die, die schon vor der Ordination vorhanden war".

Im Blick auf paulinische Aussagen, die den Eindruck erwecken, als seien bestimmte Aufgaben in der Gemeinde nur Männern vorbehalten, schreibt McFarlane, diese Texte seien im zeitlichen Kontext unter Berücksichtigung der damaligen Umstände auszulegen. Schließlich glaube kein Adventist, dass die Sklaverei heute in Ordnung sei. "Die allgemeine Sicht der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten bezüglich der Ordination von Frauen ist, dass die Bibel weder dazu ermutigt noch davon abrät, so dass die Gemeinde heute die großen Prinzipien der Schrift berücksichtigen muss. Nach unserem Verständnis stehen wir als Männer und Frauen ebenbürtig vor Gott. Christus hat die Mauer niedergerissen, die Juden von Nichtjuden, Sklaven von Freien, Männer von Frauen trennte" fasst McFarlane zusammen. (edp)

 

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