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Anregung zum Bibelgespräch: Kleider des Heils

 

Mode, Schmuck, Bekleidung sind in der modernen industrialisierten Welt ein riesiges Geschäft. Sich darstellen, zeigen, verbergen, kaschieren und enthüllen sind moderne Kategorien der Mode und Gesellschaft.

Die „Burka-Diskussion“ andererseits zeigt, dass die „Kleiderordnungen“ viele Aspekte und Kontroversen in sich bergen. Der absoluten Verhüllung der Frau und ihrer Reize (aus religiösen bzw. kulturellen Gründen) steht in der westlichen Kultur ein anderes  Phänomen gegenüber: Frauen zeigen z.T. in der Öffentlichkeit, auf Plakaten und in den Medien sehr viel Haut und manchmal noch mehr. Damit wird Liberalismus, Lebensstil, Mode und auch gesellschaftliche Stellung bzw. ökonomische Situation ausgedrückt.

In der Kunst haben wir mit dem Verhüllungskünstler Christo ein sehr schönes Beispiel, wie durch das Einpacken und Verhüllen von Bauwerken neue „Ansichten“ ermöglicht werden. Christo und seiner Frau ging es in dieser Kunst um die Themen Reduktion und Aufmerksamkeit, Neugierde und Überraschung. Christo ließ sich von den ägyptischen Mumien inspirieren. Einpacken und verhüllen hat seiner Meinung nach etwas mit „bewahren“ und Tradition zu tun. In vielen künstlerischen Arbeiten wird der erotische und architektonische Aspekt der „Hülle“ ersichtlich. Kunst und moderne Architektur bedienen sich des Be- und Verkleidungs-Phänomens.

 In sehr vielen Bibelstellen wird die Metapher der Kleider oder das bekleidet Werden erwähnt. Bereits in der antiken Welt ist das Kleid Statussymbol: es zeigt Stand und Berufsgruppe (Priester) an. Schon in frühbiblischer Zeit sind die Menschen handwerklich in der Lage, Stoffe herzustellen und zu bearbeiten. Die Bibel verweist aber in ihren Erzählungen auch auf Kulturepochen der Menschheitsgeschichte, wo die Menschen als Jäger und Sammler ausschließlich die Felle und Häute der Tiere nutzen, um sich zu bekleiden. Die Paradiesgeschichte verweist auf eine Lebenskultur, wo Menschen nackt miteinander leben.

Das Motiv des Kleides hat sich der Autor, der für die Themen des Bibelgesprächs verantwortlich zeichnet, zum alles verbindenden Thema gemacht. So besteht die Gefahr, dass dieses Symbol überstrapaziert wird, wenn man Woche für Woche zu sehr daran hängen bleibt.

Es macht eher Sinn, wenn wir den verbindenden Fokus der ausgewählten Textstellen auf die Soteriologie legen, also auf das Thema des Heils und der Rettung. Der Heilswille Gottes verbindet in der Tat viele biblische Texte, das gottgewirkte Heilsgeschehen steht in der Mitte der biblischen Verkündigung und Erzählung. Es ein generelles und umfassendes Thema, das in diesem Vierteljahr entwickelt und ausführlich besprochen werden kann. Die Gesprächsleiterin könnte - je nach vorgesehenen Texten - den Blick auf die Heilserzählung bzw. auf die Heilszusagen legen und nach den Heilstaten Gottes fragen.

Eine weitere wichtige Frage schließt sich an: Wie kommt das gespendete und erfahrene Heil beim Empfänger an. Wie nimmt er es auf bzw. was macht er/sie damit? Heil heißt sich ganz der Gott anzuvertrauen. Die Antworten, die auf das Heilsgeschehen gegeben werden, sind wichtig. Doch noch wichtiger ist die Sicht auf den Heilsspender selbst. Die Frage nach dem Gottesbild ist zu stellen. Damit hängen auch Heilskonzeptionen zusammen, die in der Bibel – je nach Text, Zeit und Thema sehr unterschiedlich ausfallen können.

Der Autor der Studienanleitung blickt erst am Ende seiner Ausführungen auf Jesus. Gerade bei den vielen alttestamentlichen Texten ist aber ein Blick ins neue Testament wegweisend, denn die Heilskonzeptionen des alten Bundes sind z.T. überholt bzw. nur im Licht des Neuen Bundes, der Erfüllung verständlich. Hier sollte der Gesprächsleiter sich fragend an die Gemeinde wenden und auf das eigentliche Heilsziel zu sprechen kommen: Denn der Name Jehoschua ist in diesem Vierteljahr Programm und Thema in einem: Jahwe ist Heil. Diese heilsame Nähe Gottes bringt Immanuel: der Gott mit uns. Das heilvolle Eingreifen und Wirken Gottes gilt es also ins Gespräch zu bringen und seine rettende Macht dürfen wir bis heute bezeugen!

Diese thematische Konzentration auf das Heil passt vom Kirchenjahr her gesehen sehr gut zum Ostergeschehen mit der Himmelfahrt Jesu und auch zum Pfingstereignis.

Die Bibel hat ein klares Bewusstsein für die Heilungsbedürftigkeit des Menschen, für seine Krisen, Konflikte, Lebensbedrohungen, Zweifel, Schuld und Tod.  Um in der Metapher zu bleiben: Wir Mensch stehen vor Gott nackt da, völlig hilflos und verloren wie Adam, wenn er versucht sich sein Heil selbst zu stricken oder wenn wir versuchen nach eigenen Mustern selig zu werden. Daraus ergibt sich, dass die Frage nach dem Menschen(bild) - und zwar im Lichte der Heilsbedürftigkeit - gestellt werden kann. Ein anderer Aspekt, der sicherlich mehr Beachtung verdient hätte, ist die Freiheit, die der Glaube schenkt. Für Paulus besteht das Heil in der objektiv geschenkten Freiheit und der daraus resultierenden Autonomie des Menschen.

In diesem Viertel bekommen wir als Zugabe auch die Möglichkeit, über die Metapher als literarisches Stilmittel ins Gespräch zu kommen. Das Motiv der Bekleidung bzw. der Verhüllung muss ja interpretiert und gedeutet werden. Ein wörtliches Verstehen greift zu kurz und verfehlt Sinn und  Aussage. So gesehen ist dieses Viertel auch eine gute Schulung in Textverständnis und Textauslegung. Das heißt aber konkret: weg vom Vordergründig-Vorläufigen hin zum Abstrakten und Eigentlichen. Die Bibel beschreibt z.B. das Paradies als einen Zustand, in dem der Mensch nackt ist. Deutlich wird in diesem Bild: Er ist sich keiner Schuld bewusst, er schämt sich nicht und ist frei von Schuld und Zweifel. Alle Menschen kommen nackt zur Welt! Dass die „Schlange“ sich an den Menschen wendet, verstehen wir unter diesem Aspekt besser. Denn auch die Schlange (im Hebräischen ist das Wort für nackt und Schlange von der Wurzel her identisch) ist nackt bis auf die Haut, also ohne Fell und Kleid.

Vorschlag einer thematischen Übersicht

 

Die folgende thematische Übersicht gibt stichwortartig Hinweise zum wöchentlichen biblischen Text und Thema und zeigt die spezifische Heilserfahrung oder Heilstheologie, die mit der Heilsbedürftigkeit (Not/Problem) des Menschen ins Gespräch gebracht werden kann. Diese Übersicht dient auch dazu Gästen im Gottesdienst kurz und klar zu sagen, über was und auf welcher Textgrundlage das Bibelgespräch geführt wird.

 

1.    Heil – Rechtfertigung ist ein Geschenk   

Texte aus dem NT, besonders Römerbrief.

Exkurs: Reformatorische „soli“ (allein) und die Konsequenzen für den gerechtfertigten Menschen

 

2.    Hochmut – Überheblichkeit – Selbstvergötterung als Unheilserfahrung

Text: AT Jesaja 14,12-23 und Hesekiel 28,1-10

Exkurs: Poetisch-anschauliche Sprache der Bibel (Analogie) am Beispiel des Morgensterns.

 

3.    „Nackt vor Gott“: Die Heils- und Erlösungsbedürftigkeit des Menschen

Text: Genesis 3

Focus: Heilserfahrung im Bild des Schutzes : Bedecken der Scham

 

4.    Josef und seine Brüder: Rivalität, Benachteiligung, Hass und die negativen Folgen

Text: Genesis 29,21f

Focus: Heilserfahrung durch Versöhnung und Reifung ist nötig

 

5.    Das Gewand des Hohenpriesters

Text: Exodus 2,28

Focus: Symbolsprache der priesterlichen Kleidung offenbart Heilsauftrag aller Gläubigen.

Exkurs: Das allgemeine Priestertum

 

6.    Elia und Elisa –Heil als Erkenntnis/Offenbarung der Gegenwart Gottes

Text: aus 1. und 2. Könige

Exkurs: Gott erleben

 

7.    David ist in Sündenlast und Verlorenheit verstrickt.

Text: 2. Samuel 11 und 12

Focus: Heilvolle Zuwendung Gottes erfährt David in der Vergebung seiner Schuld.

 

8.    Heiliger Schein und stolze Selbstherrlichkeit  werden gerichtet.

Texte aus dem Buch Jesaja

Focus:  Gottes Gericht erscheint als Gerechtigkeit.

 

9.    Die Heimkehr der Befreiten in festlichen Kleidern.

Text: Sacharja 1-3

Focus: Göttliches Heil erfährt Israel in der Erwählung Jahwes, in seiner bedingungslosen Liebe und befreienden Zuwendung.

 

10.  In den Armen des gütigen Vater geborgen.

Text: Lukas 15

Focus: a) Es gibt eine Sünde der Tugendhaftigkeit und Selbstzufriedenheit, b) Reue und Buße sind Heilserfahrungen, die uns in die barmherzigen Arme Gottes führen.

 11.  Die Einladung in das Reich Gottes ist Heilsruf des göttlichen Richters.

Text: Matthäus 22,1-14

Focus: Es gibt keine Verdammnis oder  Verurteilung in Christus (Römer 8) und deshalb Heilsgewissheit für alle Gläubigen.

 12.  Das zerrissene Kleid  - Jesu Blöße am Kreuz

Texte: Verschiedene Bekleidungsszenen aus den Evangelien

Focus: Demut und Erniedrigung Jesus am Kreuz

 13.  Neu-Sein - „Christus anziehen“

Text:  Galater 3,26-29, Kolosser  3,9.10

Focus: Rettende Christusverbundenheit  wird in der Glaubenstaufe vollzogen (Römer 6)

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