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Ausstellung - Die zusammengesetzten Götter von Tell Halaf

 

In der Nacht des 23. November 1943 prasseln auf Berlin Bomben hernieder. Besonders schwer ist Charlottenburg betroffen. So gerät in der Franklinstraße eine besondere Fabrikhalle in Brand. Seit 1930 ist dort das „Tell Halaf Museum“ des Archäologen und Diplomaten Max von Oppenheim untergebracht. Die ölgetränkten Holzfußböden der ehemaligen Eisengießerei brennen schnell. Als der Dachstuhl mit seiner kochenden Teerpappe ins Innere stürzt, beginnen dort die dreitausendjährigen Riesenstatuen aus Basalt zu glühen. Zwischen 800 und 900 Grad Celsius beträgt die Hitze. Als das kalte Löschwasser der Feuerwehrtrupps auf die heißen Skulpturen trifft, zerbersten diese wie Glas.

Siebenundzwanzigtausend Bruchstücke zählen Max von Oppenheim und Walter Andrae, der Direktor des Vorderasiatischen Museums. Es sind die Fragmente der Basaltskulpturen aus Syrien. Alle Reliefs und Statuen aus Kalkstein sind restlos verglüht. Trotzdem beschließt Andrae, alles in den Keller des Pergamon-Museums schaffen zu lassen.

Wer puzzelt, weiß um die Tücken dieses Hobbys – man sucht manchmal sehr lange und vergeblich nach Teilen. Bei „Drei-D-Bildern“ ist es doppelt so schwierig, weil eine dritte Dimension hinzukommt. So ist es auch den Archäologen gegangen, die aus 27.000 Einzelteilen rund 40 Figuren rekonstruiert haben und damit das in Trümmern liegende Lebenswerk von Max von Oppenheim wieder zu neuem Leben erweckt haben. Eine unvorstellbare Aufgabe und Leistung und ein sehr schönes, überwältigendes Ergebnis. Die zum Teil 3000 Jahre alten Monumentalskulpturen vom Tell Halaf sind ein Geschenk des Himmels. Sie sind bis Ende August im Pergamon-Museum in Berlin zu bewundern. Diese Ausstellung ist auch ein Beispiel dafür, dass aus Trümmern, Schutt und Asche eine „Auferstehung“ möglich ist. Die Schöpfungs-Worte „siehe ich mache alles (wieder) neu“ sind in einer sehr begrenzten Weise auf diese Ausstellung anwendbar bzw. übertragbar und zeigen sehr deutlich die Schöpfungspotenz, die Gott in den Menschen hineingelegt hat. Das wird dadurch deutlich, dass die Forscher die fehlenden Teile ersetzt haben. Die Rekonstruktion dieser Statuen sind  letztlich auch ein schöpferischer Akt!

 Die hervorragend inszenierte Ausstellung würdigt die Funde vom Tell Halaf und deren Entdecker. Die historischen Bilder im ersten Saal zeigen einen eher zierlichen Mann im Zelt der Beduinen. Max Oppenheim war  nach Meinung seines Vaters von einer „tragischen Passion“ erfasst: von der Liebe zum Vorderen Orient und der Archäologie. Als Universalgelehrter interessierte sich Oppenheim für das Große wie für das Kleine. Der Forscher sammelte Kunstobjekte, Schmuck und Textilien. Die grotesken, riesigen Fabelwesen und Dämonen im Hauptsaal zeigen z.B. den Skorpionmann, ein Mischwesen mit männlichen Zügen, dem Leib einer Raubkatze und dem Stachel und Panzer eines Skorpions. Dem Bibelleser sind solche Götterfiguren und Fabelwesen aus Daniel und Offenbarung bekannt. Diese Ausstellung führt den biblisch interessierten Menschen in die polytheistischen Kulturen des Vorderen Orients ein. Auf diesem historischen Hintergrund wird zum Beispiel das Wort aus dem Dekalog verständlich: Du sollst dir keine Götzen schnitzen....

Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf. Pergamonmuseum zu Berlin, Ausstellung bis 14. August 2011.

STA Adventgemeinde Frankfurt Zentrum Eschenheimer Anlage 32 Frankfurt/M  | stloeb@aol.com