Der amerikanische Bürgerkrieg –
ein Ereignis am Anfang der Adventbewegung.
Der amerikanische Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 gilt in den USA als der „Große Krieg“ und fällt in die Anfangszeiten der Adventbewegung. Trotzdem hören wir recht wenig von evtl. Auswirkungen und Einflüssen auf die Entstehung unserer Kirche. Es soll deshalb nachfolgend ein Überblick über dieses gravierende Kriegsereignis in der amerikanischen Historie gegeben werden.
Der Krieg zwischen dem Norden (der Union) und dem Süden (der Konförderation) drehte sich zwar „irgendwie um Sklaverei“, wie Präsident Abraham Lincoln (1809-1865) sagte, aber er fand in der meisten Zeit (1861-1863) in den Randregionen (Virginia, Maryland, Pennsylvania und Tennessee) statt, wo die Sklaverei gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielte. Immerhin kamen in dieser Auseinandersetzung über 200.000 Soldaten ums Leben, und mehr als doppelt so viele starben noch einmal durch Seuchen und Krankheiten. Damit liegt die Zahl der Getöteten weit über derjenigen der amerikanischen Opfer im Zweiten Weltkrieg!
Der Konflikt wurde unausweichlich, weil jene Amerikaner, welche die „Bill of Rights“ von 1776, welche die Befugnisse der Einzelstaaten verfassungsrechtlich beschränkten, ernst nahmen und nicht länger zuließen, dass garantierte Freiheitsrechte den Schwarzen vorenthalten und so weiterhin die Sklaverei legalisiert wurde. Am 4. Februar 1861 spalteten sich sieben Staaten (Alabama, South Carolina, Mississippi, Louisiana, Texas, Georgia und Florida) ab und gaben sich eine eigene Verfassung mit Jefferson Davis als Präsidenten. Der Süden übernahm alle Gesetze und Institutionen des Nordens – mit Ausnahme der Regelungen für die Sklaverei und der Kompetenzen der Einzelstaaten (so gibt es noch heute z. B. unterschiedliche Regelungen in den einzelnen Staaten zur Vollstreckung der Todesstrafe).
Von der wirtschaftlichen Kraft und der Bevölkerungszahl her hatten die Südstaaten mit ihren 5 Millionen weißen Einwohnern und 4 Millionen Sklaven keine Chance gegenüber dem industriell und verkehrstechnisch entwickelten Norden. Dass der Krieg dennoch so lange dauerte und so hohe Opfer forderte, lag an der Art der Krieg-und Schlachtführung, bei der in geschlossener Linienformation, aufgereiht wie Schießscheiben in 200 – 300 m Distanz ohne Deckung mit Vorderlader-Gewehren auf einander geschossen wurde. Der Kampf wurde von beiden Seiten verbissen von schlecht ausgebildeten Bauernburschen geführ; es war sozusagen „eines reichen Mannes Krieg, aber eines armen Mannes Kampf“ (Militärhistoriker Keegan). Hinzu kam die ungeheure Fläche, auf der sich der Krieg abspielte- 2.000 km in Ost-West und 1.500km in Nord-Süd-Richtung. So kam es statt zu einer großen Entscheidungsschlacht zu etwa 200 bedeutenden und insgesamt zu ca. 10.000 Gefechten, also etwa 7 pro Kriegstag. Kavallerie spielte in keinem großen Gefecht eine wichtige Rolle, die Artillerie nur in wenigen – es war der Krieg des kleinen Soldaten, in dem der Norden erst ab 1862 überhaupt einen Sanitätsdienst anstelle der Militärmusik aufbaute. Insgesamt war es ein ganz schreckliches, traumatisches Ereignis für die amerikanische Nation, das heute noch Spuren in der Gesellschaft der USA zeigt, indem es noch deutliche Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß in wirtschaftlicher, aber auch ein Gefälle zwischen Nord und Süd in politischer (liberal-konservativ) bzw. religiöser (liberal-fundamentalistisch) Hinsicht gibt.
Die uns interessierenden Fragen sind nun einerseits historischer oder religionsgeschichtlicher Natur, andererseits aber auch die nach den aktuellen religiösen Auswirkungen dieses gravierenden Ereignisses in „Gods own Country“. Waren damals Mitglieder der jungen Adventbewegung auf beiden Seiten freiwillig und aus Überzeugung an diesem Krieg beteiligt, gibt es Dokumente darüber? Gibt es überhaupt offizielle Verlautbarungen unserer Kirche zu diesem Bürgerkrieg (und nicht nur etwa zur Prohibition)? Wie ist heutzutage die politische Einstellung amerikanischer Adventisten zum Einen zu diesem historischen Ereignis, zum Anderen aber auch im Blick auf aktuelles Wahl-Verhalten in den USA? Die Beantwortung solcher Fragen wäre sicherlich für viele deutsche Adventisten von Interesse, wer etwas dazu beizutragen hat, sollte es freimütig tun.